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Gesichtsfeld-Training

Sunday, February 7th, 2010

Nach dem Schlaganfall bemerken viele Betroffene eine Gesichtsfeld-Störung. Dies bedeutet, dass sie beim Sehen zu einer Seite alles ganz normal erkennen können, zu der anderen Seite aber nur einen Teil. Rollen sie die Augen zu der betroffenen Seite, kann der verschwundene Teil wieder gesehen werden. Dann ist meistens ein Gesichtsfeld-Training nötig.

Bei vielen Patienten baut sich dieses Phänomen im Laufe der Tage und Wochen nach dem Schlaganfall ohne weitere Therapien ab. Andere erhalten bei Neuropsychologen oder Ergotherapeuten gezielte Gesichtsfeld-Übungen. Allerdings hat nicht jeder einen passenden Therapeuten in der Nähe oder die Möglichkeit, solche individuellen Therapien verschrieben zu bekommen.

Dann sollte man auf jeden Fall überlegen, wie man Zuhause selber Gesichtsfeld-Übungen machen kann. Dabei hilft es schon, sich am Eßtisch so hinzusetzen, daß die Hauptblickrichtung zu dem gestörten Gesichtsfeld hin genutzt wird. Wenn auf dieser Seite ein Familienmitglied sitzt, mit dem sich der Betroffene viel unterhält, werden die Augen mit der umliegenden Muskulatur immer wieder dazu angeregt, das verkleinerte Gesichtsfeld mehr zu nutzen und zu erweitern.

Ähnlich kann es beim Fernsehen sein. Anstatt den Sessel in gerader Linie vor dem Bildschirm stehen zu haben, reicht es oft, ihn um wenige Zentimeter nach links oder rechts zu drehen. Dann kann die Augenmuskulatur gedehnt und aktiviert werden. Allerdings sollte Dauer und Ausmaß des Gesichtsfeld-Trainings mit dem behandelnden Neurologen, Augenarzt oder Therapeuten abgestimmt werden, um eine Überlastung zu vermeiden.

DVE Herbsttagung Hannover 2009

Sunday, November 8th, 2009

Fachtagung Hannover
Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) veranstaltete in diesem Jahr seine Herbsttagung am 6. und 7. November 2009 in Hannover. Organisiert wurde die Tagung von den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern der Fachkreise Neurologie und Orthopädie. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung “TEILHABEN - ERGOTHERAPIE TRIFFT LEBENSWELT” ermöglichte es, das grundlegende Ziel der ergotherapeutischen Behandlung auf unterschiedlichen Ebenen zu betrachten.

Sabine Bühler aus der Asklepios Klinik Schaufling führte gleich zu Beginn aus, wie ein Aspekt aus den Neuerungen im Gesundheitssystem einen positiven Einfluß auf die Therapien haben können. Hier wurde die ICF angeführt, die “International Classification of Functioning, Disability and Health”, die von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, inzwischen die Lebenswirklichkeit der von Erkrankung betroffenen Menschen besser berücksichtigt als in den vergangenen Jahrzehnten und damit eine alltagsnahe Therapie fördert.

Das Modell der ICF wurde inzwischen in Deutschland in das SGB IX (Sozialgesetzbuch) aufgenommen. Damit wird die Aufgabe der Rehabilitation in einem weiteren Rahmen definiert und spiegelt so das Anliegen der Ergotherapeuten wieder, dem Patienten oder Klienten “eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen”. Diese Aussage bedeutet, dass Therapien, die sich nur mit dem Stabilisieren oder Verbessern von Körperfunktionen befassen, diesen gesetzlichen Auftrag nur teilweise erfüllen.

“Denn rein funktionelle Fortschritte haben nur in geringem Maße langfristige Wirkung und werden nur selten in den Alltag übernommen. Außerdem gehen sie bei Beendigung der Therapie häufig wieder verloren. Da die Therapie der Funktionsstörungen oft nur eine geringe Bedeutung für die Teilhabe (am privaten oder beruflichen Leben) hat, muß sie um eine Therapie der Aktivitätsbeeinträchtigungen ergänzt werden. Zusätzlich sind die materiellen und sozialen Kontextfaktoren der Betroffenen mit ihren förderlichen oder hinderlichen Auswirkungen auf die Teilhabe zu berücksichtigen.”

Da diese Sichtweise der betätigungsorientierten ergotherapeutischen Betrachtungsweise entgegenkommt, hat die neue Definition des Gesetzgebers einen sehr positiven Einfluß auf die Wertschätzung der alltagsorientierten Behandlung der Ergotherapeuten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Beurteilung des Therapieerfolges wird dann nicht mehr isoliert an Kraftgraden in der Hand oder dem Bewegungsausmaß im Ellenbogengelenk gemessen werden, sondern der Behandlungserfolg ergibt sich aus der Feststellung, in welchem Maße der betroffene Mensch, trotz seiner restlichen Einschränkungen, am Leben in der Gesellschaft teilhaben kann.

Der Tagungsband Teilhaben-Ergotherapie trifft Lebenswelt wurde zusammengestellt von Birthe Hucke, Ergotherapeutin im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil und Martina Pohlmann, Ergotherapeutin mit eigener Praxis in Bad Nenndorf. Er kann bestellt werden beim Schulz-Kirchner Verlag, ISBN 978-3-8248-0642-3 und ist auch als E-Book erhältlich unter der ISBN 978-3-8248-0750-5