Das Gehirn
ein fantastisches Werkzeug für alle Lebenslagen!
Wie ein Pilot in seinem Cockpit über die Instrumente ein Flugzeug sicher durch alle Turbulenzen auf den Boden bringt und millimetergenau andocken kann, so steuern wir unseren Körper täglich vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen über unser körpereigenes Cockpit, das Gehirn.
Verspüren wir Hunger auf ein frisches Morgenbrötchen mit Honig und eine duftende Tasse Kaffee, sind sofort alle Schaltkreise im Gehirn aktiviert, die wir brauchen, um unseren Körper mit den Füßen Richtung Küche zu lenken, mit den Händen die Kaffeedose zu öffnen, mit Augenmaß das Kaffeepulver umzufüllen, mit einer Drehung im Handgelenk die richtige Wassermenge in den Behälter zu gießen, die Maschine mit unserem Zeigefinger in Gang zu setzen, Teller, Messer, Brötchen, Butter unter Einsatz beider Hände auf dem Frühstückstisch passend zurecht zu legen und dann endlich zu frühstücken.
All dies sind hochkomplexe, fein abgestimmte Bewegungen von Augen, Ohren, Händen, Füßen, die wir seit unserer Geburt täglich geübt haben, bis unsere Bewegungen so sicher waren, dass wir unser tägliches Leben weitgehend ohne Hilfe meistern konnten.
Wird nun durch eine Erkrankung ein Teil der Instrumente im körpereigenen Cockpit, unserem Gehirn, beschädigt, können gewohnte Tätigkeiten, wie z.B. das Frühstück zubereiten, nicht mehr, oder nur noch teilweise ausgeführt werden. Dasselbe gilt für viele berufliche Tätigkeiten. Mühsam erlernte fachliche Qualifikationen sind teilweise wie ausgelöscht oder wichtige Daten, Fakten und Personen können nicht immer spontan erinnert werden. Oft ist es noch nicht einmal mehr möglich, das, was man kann und weiß, aussprechen zu können.
Und da wir fehlerhaft arbeitende Teile unsers Gehirn nicht einfach in einer Werkstatt austauschen lassen können, damit Hände und Füße, Gedächtnis und Sprache wieder funktionieren, haben Therapeuten und Wissenschaftler neue Wege gefunden, wie verloren gegangene Steuerfunktionen des Gehirns teilweise zurückkehren können.
Dabei bedient man sich den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung, die herausgefunden hatte, dass auch ein beschädigtes Hirn sich unter günstigen Voraussetzungen zu einem großen Teil wieder neu aufbauen kann und so eine Art von Selbstreparatur vornimmt.
Verläuft diese Reparatur erfolgreich, kann der betroffene Mensch nach einigen Wochen oder Monaten intensiven Trainings z.B. seine Hand, die vorher nur wenige Bewegungen ausführen konnte, wieder zum Festhalten eines Gegenstandes, zum Öffnen der Autotür oder bei der Bedienung des Computers einsetzen.
Text: Ricarda Alexander, Ergotherapeutin, Tiergestützte Therapie und Pädagogik
